In der neuapostolischen Kirche in Viernheim kamen am Morgen des 20. Oktober 2024 Gläubige aus den Gemeinden Heppenheim, Ladenburg, Lampertheim, Viernheim, Waldmichelbach und Weinheim zusammen, um gemeinsam mit Apostel Martin Rheinberger Gottesdienst zu erleben.
Ein Gottesmann im Alten Testament wünschte sich, Gott von Angesicht zu sehen. Gott ließ ihn wissen: Das geht nicht. Am Ende zeigte sich Gott nicht in Blitz und Donner, sondern im leisen Säuseln, im Stillen. Der Apostel sagte: Mich tröstet der Gedanke, es sind die kleinen Dinge, in denen ich Gott erleben kann, Gott wirkt leise und im Stillen. Auch für unseren Herrn Jesus gilt, er lädt uns ein, aber drängt sich nicht auf; jede:r kann entscheiden, die Einladung anzunehmen oder auszuschlagen. Der Apostel gab den Rat, sanftmütiger im Miteinander, vorsichtiger in der Sprache und beim Denken über den Nächsten zurückhaltender zu sein.
Predigtgrundlage war Römer 5,1:
Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.
Diesen Bibeltext fasste Apostel Rheinberger so zusammen: Glauben heißt, in die Gemeinschaft mit Gott kommen zu können. Und Gemeinschaft mit Gott schafft Frieden.
Was glaube ich?
1. Ich glaube an meinen Herrn Jesus Christus, nicht nur ein Wanderprediger, sondern wahrer Mensch und wahrer Gott.
Lazarus war gestorben. Als wahrer Mensch fragte Jesus: Wo habt ihr ihn hingelegt? Jesus geht hin und ruft den toten Lazarus zurück ins Leben - als wahrer Gott.
2. Neuapostolischer Glaube heißt Glaubensstärkung im Gottesdienst.
Als Folge unseres Glaubens sind wir im Gottesdienst; wir wollen Bestätigung unseres Glaubens, auch ohne besonderen Anlass. Wir kommen nicht nur in den Gottesdienst, wenn es uns schlecht geht oder wenn wir etwas zu feiern haben. Wir beschränken den Gottesdienstbesuch nicht und lassen uns diesbezüglich auch nicht aus dem Konzept bringen.
3. Ich glaube auch: Jesus kommt wieder.
Wir verkündigen die Wiederkunft Jesu Christi, weil wir daran glauben. Der Zeitpunkt ist Gottes Entscheidung. Daran brauchen wir keinen Gedanken verschwenden. Im biblischen Gleichnis richtet ein Vater eine Hochzeit für seinen Sohn aus, und keiner kommt. Der menschliche Gedanke wäre, gut, dann wird der Termin verschoben. Aber nein, es ist der richtige Tag, Gott muss nichts verschieben. Wenn wir im Gebet um die Verkürzung der Zeit bitten, haben wir im Gebet Gemeinschaft mit Gott. Gebet ist nicht nur Ritual, vor dem Gottesdienst, im Gottesdient, vor dem Essen. Wenn ich mich an Gott wende, dann in dem Wissen, er ist allmächtig, allwissend, allgegenwärtig: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“ (Psalm 139,5). Dieser Heilige Geist wird dann zum Lebensbegleiter, am Montag erst recht, auch wenn ich nicht weiß, was mich in der neuen Woche erwartet. Das schafft Frieden.
4. Ich glaube an das ewige Leben, die ewige Lebensgemeinschaft mit Gott.
Lebensgemeinschaft mit Gott finden wir im Abendmahl. Wir erinnern uns und wir bekennen darin, dass Jesus Christus gestorben und auferstanden ist und seinen Frieden des Auferstandenen schenkt.
Der Apostel bat den Bezirksvorsteher des Kirchenbezirks Mannheim/Weinheim um einen Predigtbeitrag. Dieser bezog sich auf das Eingangslied des Chores, in dem eine Liedzeile lautete, „Himmelsfeuer, brenne freier, zünde alle Herzen an“ und gab den Hinweis, den bereits Stammapostel Fehr zitierte: Den Geist dämpfet nicht (vgl. 1Thess 5,19 – in der heutigen Übersetzung: Den Geist löscht nicht aus.), legt nicht den Deckel des menschlichen Verstandes auf das Feuer des Geistes, damit das Feuer sich frei entfalten kann.
Der Apostel ergänzte: Wenn der liebe Gott ein Feuer anzündet, dann nicht, damit wir auf der Strecke bleiben. Dieses Feuer soll uns beschützen, bewahren, Wärme und Licht geben. Als Beispiel nannte er den brennenden Dornbusch, dessen Feuer diesen nicht verzehrte. Gottes Liebe zerstört nicht, sie hilft und richtet auf.
Nach dem gemeinschaftlichen Vaterunser und der Sündenvergebung feierte die Gemeinde das Heilige Abendmahl.
Drei Amtsträger versetzte der Apostel im Anschluss in den Ruhestand und setzte dabei einige besondere Akzente, z.B. Gott wertet nicht, 34, 33, 25 Jahre – Gold-, Silber-, Bronzemedaille. Wir geben unser Bestes, das ist kaum perfekt (willkommen im Club, ergänzte Apostel Rheinberger mit einem Augenzwinkern), und darum geht es nicht, sondern nur darum, stets mit ganzem Herzen zu dienen. Danken wir dem lieben Gott, dass wir dienen dürfen. In aller Schwachheit dienen wir ihm weiterhin.
Fotos: H. Hofmann