Diese Bitte aus dem Vaterunser war Gegenstand des Festgottesdienstes am Sonntag, den 25. September 2022, als die Kirchengemeinde mit etlichen Gästen das 20-jährige Bestehen des Kirchengebäudes feierte.
Zunächst – so begann Evangelist Dr. Volker Mayer, Leiter (Vorsteher) der Neuapostolischen Kirchengemeinde Hockenheim seinen Predigtbeitrag – beziehe sich diese Bitte auf das künftige Reich Gottes. Im Apostolikum bekennen Christen u.a.: Jesus Christus wird wiederkommen und sein Reich aufrichten, Tote werden auferstehen und durch Jesus ewig leben.
Die Wundertaten Jesu verdeutlichen die barmherzige Zuwendung Gottes zum leidenden Menschen. Gleichzeitig sind sie Offenbarungsgeschehen, indem sie Christi Herrlichkeit und seine göttliche Vollmacht zeigen und auf sein Reich hinweisen. So heilte Jesus beispielsweise einen Gelähmten in Kapernaum (Mk 2,1-12) und sprach zunächst zu ihm: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben“. Der Herr machte damit deutlich, dass er Vollmacht hatte, sowohl Sünden zu vergeben als auch zu heilen.
Neben der zukünftigen Perspektive gebe es auch eine gegenwärtige, fuhr der Evangelist fort. Jesus machte dies im Gespräch mit den Pharisäern deutlich, als er sagte: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“ (Lk 17,21). In der Feier Heiligen Abendmahls erleben wir heute schon innigste Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus und damit einen Vorgeschmack seines Reiches. Um in Gottes Reich eingehen zu können sind die Worte Jesu von Bedeutung, die er Nikodemus sagte: „Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen“ (Joh 3,5).
Schließlich sind die Christen selbst dafür mit-verantwortlich, Reich Gottes heute schon erlebbar zu machen. „Wie viel Reich Gottes zeigt sich in der Gemeinde?“ Einen wichtigen Hinweis gab Jesus selbst in der Bergpredigt: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit“ (Mt 6,33).
Priester Steffen Haubner, Beauftragter für Ökumene im Kirchenbezirk Mannheim/Weinheim, ging in seiner Co-Predigt besonders auf die Liebe Gottes ein. Wenn man sich dieser Liebe ergibt, dann sei schon ein Teil des Reiches Gottes erfüllt. Christen bemühen sich auf vielerlei Weise, das Reich Gottes heute bereits sichtbar zu machen. Hierfür sei es notwendig – so der Priester -, dass „Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne. Und ihr seid in der Liebe eingewurzelt und gegründet“ (Eph 3,17).
Nach dem Gottesdienst wandte sich Herr Oberbürgermeister Marcus Zeitler als Vertreter der Stadt Hockenheim in einem Grußwort an alle Anwesenden. Er betonte die notwendige, religiöse Vielfalt in Zeiten des Krisenmodus´: Klima-, Corona-, Gas-, Ukraine-, Energie- und Flüchtlingskrise. In Zeiten solcher Krisen seien auch Glaube und Hoffnung wichtig, um „den ein oder anderen Berg zu versetzen“. Er bat die Gemeinde, sich weiterhin aktiv in das Gemeindeleben mit einzubringen. „Manche politische Partei wäre froh, wenn sie so viele engagierte Mitglieder wie sie hätte. Was sie hier leisten, ist ein Beitrag zu einer guten und gesunden Gesellschaft.“
Pfarrer Johannes Heck war als Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde Hockenheim zugegen. Die katholische Kirchengemeinde Hockenheim, vertreten durch Dekanatsreferent Benno Müller, gratulierte herzlich in ökumenischer Verbundenheit und wünschte zum zwanzigjährigen Jubiläum Gottes reichen Segen.
Die Neuapostolische Kirchengemeinde Hockenheim ist Gastmitglied - in beratender Funktion - der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK).