Das Gebäude der NAK in der Moselstraße 6 Mannheim Neckarstadt-Ost
Der Architekt Wilhelm Würth baute nicht zum ersten Mal in der Neckarstadt eine Kirche. Nur wenige Meter entfernt wurde 1923 das Gebäude für die evangelischen Melanchton Gemeinde erreichtet.
Eigentlich sollte dieses Gebäude nur provisorisch als Kirche dienen und nach vollendetem Bau der ursprünglich geplanten Kirche als Gemeindesaal dienen. Dazu kam es aufgrund der Weltwirtschaftskrise nicht. Umso bemerkenswerter ist, dass nur wenige Jahre später das große Gebäude der Neuapostolischen Gemeindegebaut wurde. Und hierbei wählte Würth einen neuen Baustil, den man später auch „Bauhausstil“ nennen sollte. Würth hatte bei der Kirchenleitung vermutlich aus zwei Gründen mit dem Entwurf Erfolg: Der moderne Baustil drückte das neue Selbstverständnis der Gemeinde aus und der Bau war mit einfachen Mitteln zu realisieren. Die künstlerische Leistung erfolgt primär durch den Architekten, der selbst neuapostolisch war, und konnte von den Handwerkern umgesetzt werden. Dadurch wiederrum konnte die Gemeinde sich mit Eigenleistungen selbst am Bau einbringen, was die Kosten reduzierte. Diese Schlichtheit des Gebäudes half auch nach dem Zweiten Weltkrieg, die wenigen Schäden am Gebäude relativ unkompliziert auszubessern. Ebenfalls konnten Kosten beim Erwerb des Grundstückes gespart werden, da die Stadt Mannheim das Grundstück vergünstigt anbot und den Ausbau von Wohnungen bezuschusste.
Begonnen wurde der Bau 1929 und konnte am 31. August 1930 eingeweiht werden. Die Bauarbeit mussten kurzzeitig aufgrund der Weltwirtschaftskrise ruhen und konnten nur Dank finanzieller Hilfe aus Württemberg (Apostelbereich Heilbronn/ Stuttgart) fertiggestellt werden. Das Bauwerk im Stil der Neuen Sachlichkeit würdigte der damalige Direktor der Mannheimer Kunsthalle Gustav Friedrich Hartlaub wie folgt,“… da es in seiner modernen Ausführung, geradlinigen Formgebung und einfachen Gliederung [...] von durchaus feiner und ästhetischer Wirkung sei“.
Die Kirche steht an der Moselstraße im Zentrum von Neckarstadt-Ost. Ein Platz stellt eine Verbindung zur Lange Rötterstraße her. Das Gebäude besteht aus drei Kuben unterschiedlicher Höhe. Im südlichen Teil befinden sich Wohnungen. Die Höhe des Baus korrespondiert hier mit der fünfgeschossigen Wohnbebauung in der Nachbarschaft. Der 22 Meter hohe Treppenhausturm vermittelt zwischen dem Wohntrakt und der Kirche. Die Straßenfront des Turms ist geprägt von einem durchgehenden, vertikalen Fensterband. Auf den übrigen Seiten bilden die Fenster ein Kreuz. Der Kirchenbau hat an den Längsseiten drei große Rechteckfenster und ein weiteres, das im Innern seit 1974 von der Orgel verdeckt wird, am eingezogenen Chor. Die hellen Kunststeinquader und die Flachdächer vollenden den Stil der Neuen Sachlichkeit des Gebäudes.
Griff die Renovierung von 1974 nur teilweise in die Gebäudestruktur ein und beschränkte sich auf kleinere Eingriffe, veränderte die Generalsanierung von 1994/ 95 das Aussehen grundlegend. Die schadhaften Kunststeinquader wurden durch Platten verdeckt, die wiederum durch Leichtmetallprofile die Fassade neu gliederten. Die Fenster wurden rot eingefasst, das Altarfenster gänzlich verschlossen. Auch die Innenräume zeigen nun den für neuapostolische Kirchen der 1990er typischen Materialmix aus farbigen Fliesen, dunklen Hölzern und geometrisch skulpturalen Beleuchtungselementen. Die Balkone an den Wohnungen wurden sowohl aus rechtlichen, ästhetischen als auch statischen Gründen entfernt.
Grundsätzlich ist die Formsprache der Neuen Sachlichkeit noch gut abzulesen und weist die Kirche als einen modernen Bau aus. Zwischen ihrem Bau und dem der nahegelegenen St. Bonifatius Kirche, in einer Mischung aus Jugendstil und Neobarock, liegen gerade einmal 15 Jahre. Die in der Schwetzingerstadt gelegene St. Peter Kirche entstand zu gleichen Zeit und ist expressionistisch gestaltet worden Die Neuapostolische Kirche ist somit noch vor der St. Nikolaus Kirche in der Neckarstadt West der erste Sakralbau im Stil der Neue Sachlichkeit in Mannheim.
Die Orgel wurde 1995 von Hehl Orgelbau gebaut und hat 24 Register und 1.700 Pfeifen.
I Hauptwerk:
Bourdon 16‘
Prinzipal 8‘
Rohrflöte 8‘
Oktave 4‘
Holzflöte 4‘
Oktave 2‘
Mixtur V 2‘
Trompete 8‘
II Schwellwerk:
Gedackt 8‘
Salicional 8‘
Vox celeste 8‘
Principal 4‘
Travewrsflöte 4‘
Nasard 2 2⁄3′
Gemshorn 2‘
Terzflöte 1 3⁄5′
Scharf III 1‘
Oboe 8‘
Pedal:
Prinzipalbass 16‘
Subbass 16‘
Oktavbass 8‘
Bourdon 8‘
Dolcan 4‘
Fagott 16‘
Koppeln: II/I, Super II/I, I/P, II/P.
Bilder: Gemeindearchiv