„Machet die Tore weit“, das Chorlied zum Beginn des Gottesdienstes am 23. Juni 2024 in der neuapostolischen Kirche Mannheim-Moselstraße nahm Apostel Martin Rheinberger in seiner Predigt zum Anlass, die Liedzeile in den Kontext der Wiederkunft von Jesus Christus zu stellen.
Zeit und Stunde zu wissen, gebühre ihnen nicht, hatte Jesus schon seinen Jüngern gesagt, dahingehend können auch wir loslassen. Gott in seiner Allmacht bestimmt die Zeit, diese sei nicht unser Thema. Wir aber sollen wachen, beten und uns vorbereiten, indem wir die Gebote halten. Mit dem Hinweis auf das Jahresmotto 2024 der Neuapostolischen Kirche, „Beten wirkt“, setzte der Apostel einen markanten Schwerpunkt, indem er aufzeigte, dass es beim Beten nicht um unmittelbare Gebetserhörung gehe, sondern Beten wirke, weil wir die Verbindung zu Gott, unserem Vater halten. Beten wirkt, weil es hilft, dass wir auch Schwierigkeiten und schwere Zeiten durchstehen. Das Gebet sei eine Auswirkung der eigenen Liebe zu Gott, und damit habe das Gebet auch Gewicht.
Im Mittelpunkt des Gottesdienstes, den die Gemeinden Gartenstadt, Hockenheim, Moselstraße, Rheinau, Sandhofen und Schwetzingen gemeinsam feierten, stand der Bibeltext aus
2. Mose 20,8 Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst.
Gott, der Befreier, spricht die Befreiten an. Im ersten Gebot heißt es, „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.“ Dementsprechend gilt das dritte Gebot, den Feiertag zu heiligen, unserer Befreiung; die Gebote sollen uns nicht in Abhängigkeit führen.
Wie gehe ich mit meiner von Gott geschenkten Freiheit um, fragte der Apostel die Gemeinde.
Damit können wir nicht leichtfertig umgehen, damit ist nicht zu spaßen. Warum sollen wir den Sabbat heiligen? Gott war nicht erschöpft oder brauchte eine Pause. Doch Gott hat auch geruht. Teil des Sabbats ist es, im Gottesdienst Gemeinschaft zu haben mit Gott und dem Nächsten. Der Mensch ist Teil der guten Schöpfung Gottes. Wenn wir in den Gottesdienst gehen, können wir die Ruhe Gottes annehmen und uns hineinführen lassen in die Überzeugung, ich bin Teil der guten Schöpfung Gottes. Damit gehe ich besser durchs Leben, durch gute und schlechte Tage.
Der Apostel nahm Bezug auf die Aussage „Ich habe dich aus der Gefangenschaft, der Knechtschaft, herausgeführt.“ Das könne auch die Gefangenschaft der eigenen Meinung sein. Gott führt uns aus einer eigenen Vorstellung heraus, wo wir um uns selbst drehen. Gemeinde werde gemeinsam geschaffen, nicht indem wir um uns selbst drehen, egal wie gut wir es meinen. Gott schafft im Gottesdienst Neues. Gott gibt, er verändert etwas in uns. Gott begegnet uns in seiner Heiligkeit im Wort. So sagen wir es auch unseren Kindern und Jugendlichen. Wir feiern den Gottesdienst, weil er uns in die Freiheit führt.
Menschen hatten den Sabbat im Laufe der Jahrhunderte überreguliert. Die vielen Regeln führten in eine neue Gefangenschaft. Deswegen ist es ein Trost zu wissen, dass der Menschensohn, dass Jesus Christus auch Herr über den Sabbat ist.
Der Apostel führte zur Verdeutlichung die Begebenheit der Heilung der verkrümmten Frau am Sabbat an (vgl. Lukas 13, 10-17). Der Synagogenvorsteher beschwerte sich bei Jesus: „Du hättest sie doch auch morgen heilen können. Heute ist Sabbat.“ Die verkrümmte Frau war niedergedrückt von allem Bösen, was sie erlebt hatte. Jesus sah sie, berührte sie und heilte sie – am Sabbat. Durch diese Heilung konnte sie sich aufrichten. Der Sabbat, der uns heiligt und hilft und uns aufrichtet, ist zugleich etwas, wozu wir beitragen können. Mit allem, was wir tun, können wir dazu beitragen, dass im Gottesdienst Gottesbegegnung möglich ist.
Der stellvertretende Bezirksleiter stellte in seinem Predigtbeitrag eine ältere Dame in den Mittelpunkt, die ihn wissen ließ, wie sehr ihr der Austausch mit anderen Menschen fehle, sich einfach mal alles von der Seele reden zu können, wie sie es im Gespräch mit ihm tun konnte. In jedem Gebet können wir Gott alles sagen, was uns bewegt. Und auch die Aussagen des Gottesdienstes können nachwirken, wenn wir der Frage nachgehen: Was mache ich nun mit der Botschaft? Wie nutze ich den Feiertag? Wie nutze ich die Begegnung mit Gott?
In der Vorbereitung auf die Feier des Heiligen Abendmahls wies Apostel Rheinberger auf die Zweiteilung der Zehn Gebote hin. Ein Teil regele die Beziehung der Menschen zu Gott, der andere Teil bestimme über das Verhältnis der Menschen untereinander. Insofern sei auch das Doppelgebot der Liebe zu verstehen, dass Jesus Christus den Menschen gegeben hat. „Du sollst Gott über alles lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“ So solle es auch im Hinblick auf unsere Haltung vor dem Heiligen Abendmahl sein: Wir suchen die Versöhnung mit Gott und die Versöhnung mit dem Nächsten.
Im Verlauf des Gottesdienstes führte der Apostel zudem die Handlung der Heiligen Versiegelung durch und betonte dabei, dass der Heilige Geist, der gespendet werde, die gleiche Gabe sei, die jede:r im Rahmen der Heiligen Versiegelung empfangen habe. Keiner hat dabei mehr als jemand anders. Aber in dem wir der Gabe des Heiligen Geistes Raum geben, uns um sie kümmern, kann sie dennoch wachsen und gedeihen.
Außerdem wurden zwei Diakoninnen ordiniert. Ihnen gab der Apostel eindringlich mit auf den Weg, dass sie nicht zum Richten gesetzt seien, sondern zum Segen und stellte die Frage, wie sie ein Segen sein könnten. Die Antwort lieferte er direkt mit: indem sie stets auf Jesus Christus blicken und auf ihn hören mögen sowie durch die Erkenntnis, dass die Anvertrauten einem besonders am Herzen liegen mögen.
Musikalisch wurde der Gottesdienst von Orgel und Chorgesang umrahmt.
Fotos: M. & S. Löffler