Es ist bald genau 125 Jahre her, dass der erste neuapostolische Gottesdienst in Mannheim gehalten wurde. Seit 1930 besitzt die Gemeinde eine große Kirche in der Moselstraße. Aber wo haben die Gottesdienste davor stattgefunden? Diese Orte wurden am Sonntagnachmittag, dem 1. Juni 2025 per Fahrrad erkundet. Vom Waldhof durch die Neckarstadt in den Jungbusch, in die Quadrate und wieder in die Neckarstadt, so hat sich die Gemeinde durch Mannheim bewegt.
Begonnen hat alles in der Schwestergasse/ Schwesterstraße. Doch wo war die? Auf Stadtplänen ist nichts zu finden. Aber alte Lagepläne der Spiegelkolonie zeigen, dass dies eine Parallelstraße zur Stollbergstraße war. Heute stehen hier Wohnblöcke und der Straßenverlauf existiert nicht mehr. Um aber einen Eindruck von damals zu bekommen, ging es nur einige Meter weiter. Das „Sepp-Herberger-Haus“ ist baugleich mit der Schwestergasse 3. Hier fand nun nach kurzer Vorbereitungszeit in der Küche einer Familie der erste Gottesdienst statt. Wohl aufgrund der etwas aufdringlichen Nachbarschaft, denn Gottesdienste wurden regelmäßig gestört, fanden ein Jahr später die Gottesdienste ein paar Straßen weiter bei einem anderen Familienmitglied statt. Also ging es bei Sonnenschein, die angekündigten Gewitter hatten sich verzogen, mit dem Fahrrad in die Zellstoffstraße.
Auch hier hat sich vieles verändert. Die Gemeindechroniken berichten, dass die Gemeindemitglieder in der Zellstoffstraße 38 wohnten, das amtliche Adressbuch von Mannheim nennt aber die Nummer 45. So oder so, beide Häuser existieren nicht mehr, es sind aber auch hier noch baugleiche Wohnhäuser vorhanden, die einen Eindruck über die Verhältnisse in der Anfangszeit gaben.
Weiter ging die Fahrt in die Neckarstadt, denn dort wurden jeweils in der Langstraße und der Dammstraße ebenfalls im Jahre 1902 die Gottesdienste ebenfalls in den Wohnungen von Gemeindemitgliedern abgehalten.
Es folgten noch Gottesdienstlokale in den Wohnungen von Gläubigen in R7 und der Schwetzinger Straße 124, die aber nicht angefahren wurden. Der nächste Halt war im Jungbusch, Holzstraße 10. Das erste „richtige“ Versammlungslokal in der Zeit von 1904 – 1913. Hier, in einem damals neugebauten Hinterhaus im 2. Stock (heute 1. OG), fanden über viele Jahre die Gottesdienste statt und begann auch die Kirchenmusik ihren Aufschwung. Ein beeindruckendes Bild vom Chor aus dem Jahre 1910 ist überliefert. In dieser Zeit, genauer 1907, wurde der Verein „Neuapostolische Gemeinde Mannheim e.V.“ gegründet, obwohl die offizielle Bezeichnung erst 1911 wechselte. Davor hieß sie noch schlicht „Apostolische Gemeinde Mannheim“.
Da die Gemeinde rasch wuchs (1911 waren es 429 Mitglieder bei drei priesterlichen Ämtern) wurde bei der Stadt Mannheim nach größeren Räumlichkeiten angefragt. Die Nutzung der Aula des Realgymnasiums am Friedrichring wurde dann 1913 beschlossen und so konnte sich nun in diesem gründerzeitlich-herrschaftlichen Schulgebäude die Gemeinde bis zum Neubau der Kirche 1930 versammeln. Auch gab es noch keine Orgel, dafür ein Blasorchester oder besser, es gab zwei: Ein Männer -und ein Frauenblasorchester. Ab 1927 wurde dann klar, dass ein eigenes Gebäude benötigt wurde, die Gemeinde zählte nun knapp 1000 Mitglieder. Und so zog die Gemeinde in die Moselstraße, wo sie auch heute noch ist.
Die hungrige Fahrradgesellschaft kehrte nach dieser historischen Rundfahrt noch ein und ließ die Zeitreise in fröhlicher Runde in einem Biergarten ausklingen.