„Wir glauben an die nahe Wiederkunft Christi, unabhängig von den Ereignissen – die kommen und gehen. Das Licht zündet der liebe Gott an, die Erwartung Jesu Christi“, mit diesen Worten begann Apostel Martin Rheinberger die Predigt am zweiten Adventssonntag, dem 5.12.2021 in der neuapostolischen Kirchengemeinde Mannheim-Gartenstadt.
Der liebe Gott zünde das Licht der Hoffnung an, das Licht der Liebe, und dann komme vielleicht jemand, der es einfach wieder ausbläst, wir kommen in Verhältnisse und Zweifel, in denen man bemerke, „ich bin alleine“. Der Apostel erinnerte an kleine Kinder, die – kaum waren die Adventslichter angezündet – schon darum rangelten, wer diese als erstes wieder ausgepustet habe.
Dieses göttliche Licht der Hoffnung und der Liebe bewirke in uns: „Ich will die Liebe in die Welt tragen“. Doch: „Den anderen in Liebe zu tragen – das ist schwer“, wandte der Apostel ein. Was macht man da? Apostel Rheinberger erinnerte an Jakob, der, auf dem Weg zur Versöhnung mit seinem Bruder Esau, mit dem Engel des Herrn rang. Das war ein Kampf, der die ganze Nacht dauerte. Und Jakob hat „ordentlich einen mitgekriegt“, wie der Apostel es ausdrückte, die Hüfte wurde ihm ausgekugelt. Und als der Morgen graute sagte Jakob: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!“
Das gelte auch uns, auch wenn wir wiederholt „ordentlich einen mitkriegen“, machen wir das Licht für den anderen immer wieder an, weil wir
1. auf den lieben Gott hoffen.
2. weil die Liebe Gottes ausgegossen ist in unsere Herzen.
Auch die Emmaus-Jünger führte der Apostel in seiner Predigt an, „sie bliesen sich vielleicht sogar selbst ein Stück weit das Licht aus“. Und was durften sie erfahren? „Brannte nicht unser Herz?“ Auf ihrem dunklen Weg war einer mit seinem Licht dabei – Jesus Christus. „Geschwister, sucht euch jemanden, dessen Licht leuchtet, wenn ihr auf einem dunklen Weg seid“, appellierte der Apostel an die anwesende und per Video und Telefon angeschlossene Gemeinde. "Und wenn ihr ein leuchtendes Licht seid, dann sucht nach denen, die gerade in Dunkelheit wandeln." Wenn sich diese beiden zusammenschließen, „dann sind wir eine wirkliche Gemeinde und nennen uns nicht nur so“.
Predigtgrundlage bildete das Bibelwort aus Kolosser 1,16: "Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung".
Als nächstes ging der Apostel auf die Trinität Gottes ein und merkte an, dass wir oft davon ausgingen, erst war der Vater da, dann kam der Sohn. Trinität Gottes bedeute aber: Alle – Vater, Sohn und Heiliger Geist – sind gleich, es gibt keine Unterschiedlichkeit, sie sind unzertrennlich verbunden. Vater und Sohn gehören zusammen, der Sohn hat auch die Eigenschaften vom Vater. Der Erstgeborene aus dem zugrundliegenden Bibelwort meint den als ersten Auferstandenen, der ins ewige Leben aufersteht, dem der Tod nichts anhaben kann, der Erste in unseren Gemeinden. Durch den Heiligen Geist haben wir als Brüder und Schwestern die Voraussetzung, Erstlinge zu sein und mit Christus in seinem Friedensreich zu dienen.
„ER ist das Haupt, messen wir uns an ihm!“ machte der Apostel deutlich. Der Vorsteher habe in der Gemeinde „den Hut auf“, müsse Entscheidungen treffen, der Bezirksvorsteher im Bezirk. Aber das Haupt sei Jesus Christus. Wir mögen uns an IHM orientieren, zum Beispiel, wenn es gälte, Konflikte zu lösen, „schieben wir IHN in die Mitte; ER hat das letzte Wort“. Manchmal habe man den Eindruck, wenn man die Verhältnisse auf dieser Welt betrachtet, das Böse habe das letzte Wort. Aber Jesus Christus sagte selbst: Ich bin der Erste und der Letzte. Folglich habe Christus das letzte Wort.
Dann bezog sich der Apostel nochmals auf die bereits erwähnten „gleichen Eigenschaften von Vater und Sohn“. Als Mose Gott bat, „lass mich dich erkennen“, ging das nicht. Gott in seiner Herrlichkeit konnte keine Gemeinschaft mit den Sündern haben. In Christus als wahrer Mensch und wahrer Gott hat der Vater ein Gesicht bekommen: Barmherzigkeit, Liebe und Gnade.
Wir dürfen ihn preisen, das ist unsere Aufgabe.
Als Jesus auf die Erde kam, priesen ihn die Hirten, die Randständigen der damaligen Gesellschaft, und die Könige, die waren gar keine Juden. Wir preisen Christus als den, der Gottes Angesicht repräsentiert. Wer Kritik und Ungerechtigkeit einstecken müsse, der werfe deshalb die Flinte nicht so leicht ins Korn, man könne dann leichter bei Gott bleiben. Denn „wenn wir ehrlich sind, wie sind alle sehr anfällig für persönliche Eitelkeiten - der eine mehr, der andere weniger. Wenn wir hören: ‚Gut, dass wir dich haben; was wären wir ohne dich in der Gemeinde‘ – das tut uns nicht gut. Preisen wir IHN, und machen wir die Lichter an – gegen alle Widerstände, gegen alles Auspusten“, verdeutlichte der Apostel eindringlich.
Der Vorsteher der Gemeinde Weinheim und der Vorsteher der Gemeinde Mannheim-Sandhofen wurden zu weiteren Predigtbeiträgen gerufen. Ersterer betonte, man möge beim Versuch, so ein bisschen mehr wie Jesus Christus zu werden, nicht so viel Wert auf die eigene Ehre, unsere Anerkennung legen. Wir haben die Sicherheit: Gott möchte, dass wir auf ewig bei ihm sind.
Im zweiten Predigtbeitrag stand im Mittelpunkt, dass es unsere Aufgabe sei, den lieben Gott sichtbar zu machen. Es gelte als Christen, für andere da zu sein, den lieben Gott in unserem Umfeld erlebbar zu machen.
Der Apostel merkte daraufhin an, dass es passieren könne, dass wir als Christen für andere da sind, andauernd, ganz selbstlos. Und dann könnte der Gedanke aufkommen: Für mich ist niemand da. Daher gelte es, dass wir alle dem anderen der Nächste sind. Und es möge uns immer bewusst sein: Wir sind nicht allein – Christus ist für uns da. „Lasst uns stets in dem Bewusstsein handeln: Jesus ist für mich da.“
Vor der Heiligen Versiegelung wandte sich der Apostel an die Eltern mit den Worten: „Heute morgen wird bei euren Kindern ein Licht angezündet, das niemand jemals auslöschen kann. Dieses Licht brennt auf ewig. Euer Name ist angeschrieben im Himmel.“ Und er führte weiter aus: „Dieses Licht leuchtet auch bei dem, der nicht mehr in den Gottesdienst kommt und auch bei dem, der aus der Kirche ausgetreten ist.“
Der Gottesdienst wurde durch inhaltlich sehr treffende Lieder an der Orgel mitgestaltet.
Fotograf: V. Hamann