Ökumenischer Gedenkgottesdienst im katholischen Gemeindezentrum St. Christophorus für die Hockenheimer Jüdinnen und Juden, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden.
Die Reichspogromnacht 1938 ist eine der dunkelsten Stunden der Geschichte, in der jüdischer Bevölkerung in Deutschland, auch in Hockenheim, tiefes und schmerzvolles Leid angetan wurde.
In einem bewegenden ökumenischen Gedenkgottesdienst gedachten am Mittwochabend, den 9. November 2022 Vertreter der christlichen Kirchen und des Arbeitskreises jüdische Geschichte in Zusammenarbeit mit der Stadt gemeinsam mit interessierten Bürgern und Schülern Hockenheimer Jüdinnen und Juden, deren Gotteshaus in der Nacht zum 10. November 1938 durch Brand zerstört wurde.
Gedacht wurde auch jenen, die am 22. Oktober 1940, dem letzten Tag des jüdischen Laubhüttenfests, gegen ihren Willen abgeholt und nach Frankreich in das Internierungslager Gurs verschleppt wurden.
Schließlich wurde auch an den Beginn der Deportation im Sommer 1942 der in Gurs verbliebenen 2250 Menschen in das Vernichtungslager Auschwitz erinnert: die Lebenswege und Schicksale betroffener Familien wurden beschrieben und den Opfern damit Würde und ein Gesicht gegeben.
Mit Gebet und Litanei wandte man sich an die Entwürdigten: Gemeindereferentin Daniela Gut, Katholische Kirche, Pastor Gerald Kappaun, Evangelisch-methodistische Kirche und Priester Steffen Haubner, Neuapostolische Kirche, zündeten Kerzen für die Verstorbenen und die Ermordeten an. Sie erinnerten an die jüdischen Kinder, die ihrer Zukunft beraubt wurden sowie an all die Menschen, die gefoltert wurden und bis zur Erschöpfung arbeiten mussten: „Wir werden euch nicht vergessen!“
Feierlich umrahmte ein Flötenensemble des CVJM Reilingen und Klaviermusik das Mahnen, Beten und Gedenken.
Den Abschluss bildete der gemeinsame Gang samt Innehalten am Gurs-Gedenkstein zwischen Rathaus und katholischer Kirche, wo einst die Synagoge stand. In der Nacht zum 10. November 1938 wurde das Herz jüdischen Lebens in Hockenheim bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Zur Erinnerung wurden kleine Steine auf dem Gedenkstein abgelegt.
Fotos: privat