"Unsere Zeit braucht betende Hände. - Lasst uns diesen Impuls aus dem Chorlied mitnehmen."
Wir danken im Gebet für das Gute und haben zugleich in der Fürbitte einen offenen Blick, ein offenes Ohr und ein offenes Empfinden für die Nöte der anderen, so begann Bischof Jörg Vester den Abendgottesdienst am 25. Oktober 2023 in der neuapostolischen Kirchengemeinde Mannheim-Moselstraße.
Predigtgrundlage war Lukas 13, 12.13:
Als aber Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Frau, du bist erlöst von deiner Krankheit! Und legte die Hände auf sie; und sogleich richtete sie sich auf und pries Gott.
Jesus war am Sabbat in der Synagoge und lehrte dort, tat damit das, was den damaligen religiösen Regeln entsprach. Jesus setzte sich also nicht per se über die gesellschaftlichen Konventionen hinweg, erläuterte der Bischof. Aber: Jesus bemerkt jene Frau, die seit 18 Jahren ihre Krankheit trug, die verkrümmt war, sich nicht aufrichten konnte. Jesus sieht sie, die von den anderen nicht bemerkt wurde, die aufgrund ihrer Krankheit und da sie eine Frau war, ausgegrenzt war und stellt sie in die Mitte, holt sie vom Rand weg, heilt sie und segnet sie. Jesus nimmt die Not der Frau wahr, die Frau ist ihm nicht egal. Und er verschiebt seine Hilfe nicht auf den nächsten Tag. Der menschliche Gedanke „was macht bei 18 Jahren Krankheit schon ein Tag mehr“ kommt Jesus gar nicht, weil er die Not der Frau wirklich sieht.
Auch die Frau übertritt die Grenzen des Üblichen, indem sie in der Synagoge Gott laut lobte und pries.
Der Vorsteher der Synagoge hingegen ärgert sich über diese Heilung. Er greift Jesus und die geheilte Frau an, indem er auf die geltenden Regeln pocht (Vers 14): „Es sind sechs Tage, an denen man arbeiten soll; an denen kommt und lasst euch heilen, aber nicht am Sabbattag.“ Jesus aber verteidigt die Frau gegenüber dem Vorsteher und betont ihr Dasein als Tochter Abrahams.
Diese Begebenheit, von der die Bibel uns berichtet, hat uns etwas zu sagen, fuhr der Bischof fort. Wie oft werden Menschen angegriffen, fertiggemacht und verbal in eine Ecke gedrängt. Da ist es unsere Aufgabe, Zivilcourage, ja christliche Courage zu zeigen. Dafür müssen wir diejenigen, die am Rand stehen, alle, die anders sind als wir, wirklich sehen und dann mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, helfen. Und auch wenn wir nicht wie Jesus Wunder tun können, ist nicht selten praktische Hilfe gefragt. So wichtig es auch sein mag, füreinander im Gebet einzustehen, reicht das Gebet manchmal nicht aus, wenn andere in Not sind. Wir leben unseren Glauben, indem wir offene Herzen und offene Arme haben und mit den Gaben, die der liebe Gott uns geschenkt hat, anderen in Not helfen.
Der Vorsteher der Gemeinde Weinheim betonte in seinem Predigtbeitrag, dass es auf jede Einzelne ankomme. Manchmal sage man allzu schnell „ich kann da nur beten“ und bremse damit seine Gaben aus. Gott schenkte uns seinen Geist und seine Liebe in unser Herz, denken wir also nicht: „Auf mich kommt es nicht an, sondern arbeiten mit den Gaben, die Gott gab.“ Jesus dachte nicht in menschlichen Dimensionen, sondern half sofort. Wir neigen als Menschen zum Abwägen, zum Verschieben und legen Dinge dann auf die Seite, anstatt sie direkt anzugehen. „Lasst uns wie Jesus mit dem Geist der Liebe handeln, dann legt Gott auch seinen Segen darauf.“
Der Bezirksvorsteher stellte in seinem ergänzenden Beitrag den Ausdruck „von irdischen Fesseln befreit“ in den Mittelpunkt, der Teil des Chorliedes „Betende Hände“ zu Beginn des Gottesdienstes gewesen war. Darauf nahm der Bischof wie folgt Bezug: „Wenn der Synagogenvorsteher von irdischen Fesseln befreit gewesen wäre, hätte er das Wirken Gottes gesehen. Gott wirkt in seinem Haus.“
Vorbereitend auf die Feier des Heiligen Abendmahls gab der Bischof den Hinweis, dass es auch beim Vergeben darum gehe, nichts auf die lange Bank zu schieben: „Vergeben wir auch jemandem, von dem wir wissen, dass er uns nicht vergibt.“
Ein Chor aus den eingeladenen Gemeinden Gartenstadt, Hockenheim, Moselstraße, Rheinau, Sandhofen und Schwetzingen sowie Instrumentalbeiträge umrahmten den Gottesdienst musikalisch.
Fotos: H. Mauer