Mose weiß, Gott ist allmächtig, allwissend und allgegenwärtig. Und trotzdem: In der bergigen Einöde, in der er sich mit seinen Schafen befindet, in dieser verlassenen Situation, als er einen Busch brennen sieht, rechnet er nicht mit Gott, dass Er dort bei ihm ist, mit ihm spricht und einen Auftrag für ihn hat. Manchmal sind auch wir im dornigen Heute und rechnen nicht mit Gott. In den kleinen Dingen, die man nur selten sieht, die man manches Mal als „Zufall“ abtut, in einem Menschen, einer Begegnung ist Gott gegenwärtig – auch in unserem Leben. Zu Nathanael sagte Jesus: Ich habe dich schon lange zuvor gesehen, bevor Philippus dich gesehen hat. Das gilt auch uns, Gott hat uns schon gesehen, bevor der Welt Grund gelegt war. Auf dieser Gewissheit, dass Gott bei uns ist, gestalten wir unser Leben.
Den Abendgottesdient am 2. April 2025 feierte Apostel Martin Rheinberger in der Gemeinde Mannheim-Moselstraße, das Besondere: ohne weitere eingeladene Gemeinden. Als Grundlage der Predigt diente der Bibeltext aus Jesaja 62,1
Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht innehalten, bis seine Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz und sein Heil brenne wie eine Fackel.
Jesaja machte einen Wandel durch: Wenn ich dem Volk noch länger sage, dass sie selber schuld sind und was sie alles falsch gemacht haben, dieser ständige Blick zurück, das bringt nichts. Jesaja macht ihnen Mut: Er wollte nicht schweigen, nicht innehalten, bis die Gerechtigkeit wieder aufgeht. Mein Herz schlägt für Gottes Werk, deshalb will ich nicht schweigen, ich halte mich nicht zurück.
Gott hält seinen Bund und der ist unauflöslich. Das erste Menschenpaar hatte sich quasi selbst aus dem Paradies herauskatapultiert. Gott hat sie dennoch nicht verlassen, hat ihnen Kleidung gemacht, war mit ihnen. Auch wir müssen nicht immer ernten, was wir gesät haben; zum Glück ernten wir stattdessen manchmal die Gnade Gottes. Wir treffen auf einen liebevollen, einen fürsorglichen Gott.
Wir dürfen hoffen, dass der Bund Gottes mit uns weitergeht. Und das, obwohl wir in einer Zeit leben, in der man sich auf fast nichts mehr verlassen kann. Doch durch die Taufe gehören wir zur Kirche Christi. Die Gabe des Heiligen Geistes ist ausgegossen in unser Herz und bleibt da auch. Daraus gestalten wir unser Leben, verkünden das Evangelium. Wenn mein Herz für das Werk Gottes schlägt, dann ist die Arbeit für den anderen keine Frage. Und auch unlösbare Aufgaben sind möglich mit Gottes Hilfe. So wie zwei Frauen zum Grab Jesu gingen, ohne zu wissen, wie sie den schweren Stein, der das Grab verschloss, bewegen sollten, weil ihr Herz für Jesus schlug.
„Ich will nicht schweigen“ gilt auch für die Witwe, die zum ungerechten Richter geht und verlangt, verschaffe mir Gerechtigkeit. Gott ist kein ungerechter Richter. Deshalb schweigen wir schweigen auch nicht, wenn wir für den anderen beten. Wir schweigen nicht, wenn wir Gott nicht verstehen, wenn wir ihm unsere Klage sagen, wie in den Psalmen. Wir preisen Gott, schweigen auch nicht über all das Gute, was er tut. Nichts ist selbstverständlich. Wir danken Gott für das, was er uns schenkt.
Wir halten uns auch nicht zurück, Gutes zu tun. Wie die Freunde, die einen Gelähmten zu Jesus brachten, damit er ihn heilte. Sie zögerten nicht, ließen sich von der großen Menschenmenge nicht aufhalten. Morgen wäre Jesus womöglich nicht mehr da gewesen. Wenn wir dem anderen was Gutes tun können, wollen wir nicht verzögern und uns nicht aufhalten lassen. Jesus selbst gibt uns das Beispiel, wie er am Kreuz unter schwersten Schmerzen zu Johannes sagt, siehe, das ist deine Mutter und zu Maria, siehe, das ist dein Sohn. Er wartet damit nicht bis nach der Auferstehung. Auch wir können unter schwersten Verhältnissen unseren Dienst verrichten. Auch wenn wir Dinge sehen, die nicht gut sind, gilt: Ich werde weiterhin sprechen und weiter im Dienste Gottes stehen.
Ein Mann lud zu einem Festmahl und machte sich große Mühe dabei. Er lud die Verwandtschaft ein, doch die kamen nicht, sie hatten verschiedene Ausreden. Dann sandte er seine Knechte aus, Krüppel, Blinde und Lahme einzuladen. Und diese folgten der Einladung. Es gab immer noch viel Platz am Tisch. In der Gewissheit: Ich habe Platz am Tisch des Herrn, ich bin eingeladen, ich bin ihm wichtig, feierten die Anwesenden gemeinsam das Heilige Abendmahl.
Nach dem Gottesdienst versetzte der Apostel einen Diakon der Gemeinde Mannheim-Moselstraße in den Ruhestand, der seinen Amtsauftrag 1982 erhielt und dem ein besonderes Zeugnis ausgestellt wurde: Er war immer da, egal ob Ämterabend oder Gottesdienst, er war Verlags- und Seniorenbeauftragter; er kümmerte sich um die Technik, war immer ansprechbar, wenn es Arbeit gab in der Gemeinde. Er machte seinen Glauben nicht von Menschen abhängig, diente in Treue und Zuverlässigkeit. Der Apostel zitierte Stammapostel Fehr, der im März 2011 in Karlsruhe-Mitte sagte: Vielen wird vieles zu viel. Dazu merkte er an: Wie schön, dass es noch Diakone gibt, denen vieles nicht zu viel wird. Dann ist der Dienst keine unerträgliche Last, sondern hilft auch, treu zu bleiben.
Fotos: H. Mauer