Der Verein Rhein-Neckar-Industriekultur e.V. hält aktuell einige Vorträge anlässlich „100 Jahre Neue Sachlichkeit in Mannheim – die 1920er Jahre“. Am 20. Februar 2025 fand einer dieser Vorträge in der Neuapostolischen Kirche Mannheim Moselstraße statt.
Trotz der Tageszeit an einem Donnerstagnachmittag waren knapp 70 Zuhörende erschienen, um über „Die Goldenen 1920er Jahre – Mythos und Wirklichkeit in Mannheim“ mehr zu erfahren.
Nach einer kurzen Begrüßung durch Andrea Meuser vom Verein sowie dem Vorsteher der Gemeinde Mannheim-Moselstraße gab es einen skizzenhaften Überblick von Arne Stauch zur neuapostolischen Kirchengeschichte in den 1920er Jahre, der Entstehungszeit des Kirchenbaus in der Moselstraße (siehe auch: Kirchengebäude - Neuapostolische Kirche Kirchenbezirk Mannheim/Weinheim)
Andrea Meuser führte anschließend in den Begriff „Neue Sachlichkeit“ und seine Entstehungsgeschichte ein. 1925 gab der damalige Leiter der Kunsthalle Gustav Friedrich Hartlaub einer post-expressionistischen Ausstellung seinen Namen, der dann auch auf weitere Felder der Kunst übertragen wurde.
Die Zeitgeschichte, die damalige Wirtschaft und die sozialen Verhältnisse wurde durch Günther Neufeldt näher beleuchtet. Der Ausdruck der „Goldenen 20er Jahre“ stammt ursprünglich aus den USA und traf dort auch zu. In Deutschland hingegen stellten sich die Verhältnisse wesentlich prekärer dar und waren alles andere als golden.
Die Auswirkungen auf die Architektur beschrieb Claus Kilpert mit Unterstützung durch Rainer Fischer anhand eines virtuellen Spaziergangs zu Mannheimer Gebäuden jener Bauepoche. Während bei einigen dieser Beispiele der sogenannte Bauhausstil noch gut erkennbar ist, braucht man bei anderen aufgrund zahlreicher Renovierungen das nötige Vorwissen, wie z.B. bei der neuapostolischen Kirche Moselstraße. Dennoch ist die eigentliche Formsprache in den meisten Fällen gut ersichtlich.
Wie die Wirklichkeit der Frauen in jenen Jahren war, wurde von Barbara Ritter mit Hilfe vieler bildhafter Beispiele deutlich. Die ersten Fortschritte in Bezug auf die Forderungen zur Gleichberechtigung konnten errungen werden, jedoch nur mühsam und nicht dauerhaft, wie die Geschichte noch zeigen sollte.
Ein Einblick in die politischen Fronten und die Literatur in diesen Jahren rundeten den Nachmittag ab. Nachfragen, z.B. zu den Renovierungen des Kirchenbaus, konnten im Nachgang gestellt werden.
Die Gemeinde dankt dem Verein Rhein-Neckar-Industriekultur e.V. für diesen aufschlussreichen Nachmittag und möchte gerne die weiteren Veranstaltungen dieser Reihe empfehlen: https://www.rhein-neckar-industriekultur.de/